Mittwoch, 25. Juni 2014
Gedanke des Tages
Fassen wir also zusammen: In der Existenzweise des Habens und somit in der autoritären Struktur ist Sünde Ungehorsam und wird durch Reue, Bestrafung und erneute Unterwerfung getilgt. In der Existenzweise des Seins, der nicht-autoritären Struktur, ist Sünde ungelöste Entfremdung und wird durch volle Entfaltung von Vernunft und Liebe, durch Einswerdung überwunden.

Erich Fromm - Haben oder Sein, S.122

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Dienstag, 24. Juni 2014
Erich Fromm über Sünde
In der katholischen Theologie ist diese Form der Existenz - völlige Trennung und Entfremdung voneinander ohne die Brücke der Liebe - die Definition von "Hölle". [...] Wenn egozentrisches Getrenntsein eine Todsünde ist, dann wird diese Sünde durch den Akt des Liebens gesühnt (atoned). Das englische Wort atonement (Sühne, Versöhnung) drückt diese Auffassung aus, denn es kommt etymologisch von at-one-ment (zu einem werden), dem mittelenglischen Wort für Vereinigung. Die Sünde des Getrenntseins braucht nicht vergeben zu werden, da es sich nicht um einen Akt des Ungehorsams handelt, aber die muss geheilt werden, und Liebe, nicht Aufsichnehmen von Strafe, ist das Mittel zu ihrer Heilung.

Erich Fromm - Haben oder Sein, S.121

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Sonntag, 22. Juni 2014
Gedanke des Tages
Im üblichen theologischen und säkularen Sprachgebrauch ist Sünde ein an autoritäre Strukturen gebundenener Begriff, und diese Strukturen entsprechen der Existenzweise des Habens, in welcher die Mitte des Menschen nicht in ihm selbst liegt, sondern in der Autorität, der er sich unterwirft.

Erich Fromm - Haben oder Sein

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